Lida Gustava Heymann

Im Vordergrund Lida Gustava Heymann,
dahinter Anita Augspurg

Geboren 1868 in Hamburg, gestorben 1943 in Zürich

Zitat: Verlaß ist nur auf unsere eigene Kraft



 Kurzbiografie

Lida Gustava Heymann wird am 15. März 1868 in Hamburg geboren. Der Vater ist ein wohlhabender, angesehener Senator. Sie wird mit ihren vier Schwestern von Hauslehrern erzogen. Mit vierzehn Jahren wird sie auf eine höhere Töchterschule geschickt und lernt später in einem internationalen Pensionat, sicher und selbständig zu werden.

Zurück in Hamburg widmet sie sich vor allem sozialen Tätigkeiten. Sie unterrichtet in einer Armenschule und richtet eine Nähschule ein.

1896 stirbt ihr Vater und hinterläßt ihr ein Vermögen, das sie wirtschaftlich unabhängig macht. Jetzt erst fühlt sie sich frei . Sie eröffnet einen billigen Mittagstisch für arbeitende Frauen, einen Kinderhort, den Mädchen und Jungen gemeinsam besuchen, und setzt sich gegen die Unterdrückung und Ausbeutung der Frauen in der in Hamburg florierenden Prostitution ein.

Zusammen mit Anita Augspurg und Käthe Schirmacher gründet sie die Reformschule, die auf dem Prinzip der Koedukation basiert.

Ihr leidenschaftlich verfolgtes Ziel ist, der Masse der Frauen ein freies und wirtschaftlich unabhängiges Leben zu ermöglichen. Dafür, meint sie, seien politisch gebildete Männer und Frauen notwendig. Sie selbst entschließt sich, in Berlin und München Geschichte, politische Wissenschaften und Volkswirtschaft zu studieren. Allerdings wird sie nur als Gasthörerin zugelassen.

Mit Anita Augspurg, ihrer Lebenspartnerin, begründet sie 1902 den Verein für Frauenstimmrecht. Sie geben gemeinsam die Zeitschrift "Die Frau im Staat" heraus. Hedwig Dohm hatte bereits 1873 öffentlich das Frauenstimmrecht gefordert. Damit, meinte sie damals, werde die Frauenbewegung den "Schritt über den Rubikon" machen.

Lida denkt in bezug auf das Verhalten der Frauen sehr idealistisch. In ihren Erinnerungen schreibt sie: " Ein Europa mit Frauenwahlrecht wäre keinem Weltkrieg zum Opfer gefallen". Sie hält das männliche Prinzip für das Gewaltprinzip. Sie ist eine kämpferische Frau und erlebt auch deshalb Verunglimpfung und Verspottung. Sie schreibt selbst, daß sie sich keine Beliebtheit erwarb und zitiert ein Hamburger Parteimitglied: " Mit Anita läßt sich gut wirtschaften, die nimmt alles von der humorvollen Seite, aber die Lida Gustava? - mit der ist schwer Kirschen essen..." (Himmelsbach 1996.94)

In der Tat ist Lida Gustava davon überzeugt, daß Frauen nur durch eigene Kraft und Solidarität untereinander Veränderungen bewirken können.

Ihre und Anitas pazifistische Neigungen machen sie den Nazis verdächtig. Als sie 1933 während eines Urlaubs im Ausland von Hitlers Machtübernahme erfahren, kehren sie nicht mehr nach Deutschland zurück. Bis zu ihrem Tod 1943 lebt sie mit Anita Augspurg in Zürich im Exil, angewiesen auf die Unterstützung ihrer Freunde.

 Quellen und Literatur

Literatur

Primärliteratur

Lida Gustava Heymann in Zusammenarbeit mit Anita Augspurg. Erlebtes - Erschautes. Deutsche Frauen kämpfen für Freiheit, Recht und Frieden 1850-1940. hrsg. von Margrit Twellmann. Meisenheim am Glan. 1972

(Das Buch wurde von Lida G. Heymann aus der Erinnerung im Exil geschrieben. Sie und Anita Augspurg hatten keine ihrer Veröffentlichungen aus dem Nazideutschland retten können,)

Sekundärliteratur

Christiane Himmelsbach." Verlaß ist nur auf unsere eigne Kraft!" Bis-Verlag, Oldenburg, 1996.

(Eine Darstellung des Lebens und Wirkens Lida Gustava Heymanns und u.a. der Frauenbewegung in Hamburg und Deutschland, sowie eine Auswahl von Dokumenten aus der Zeit im Anhang.)

Elke Frederiksen (Hg.) Die Frauenfrage in Deutschland 1865-1915. Stuttgart Reclam 1981


Text erstellt von Erdmute Dietmann-Beckert, November 1998

Bild: www.uni-ulm.de




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