1866 - 1951
Agazzi, Rosa gewann zusammen mit ihrer Schwester Carolina (1870-1945) als Kleinkinderzieherin
wegen ihrer besonderen Methode in der Kleinkindererziehung große Bedeutung.
Diese erarbeiteten und realisierten sie im Kindergarten von Mompiano (Brescia).
Rosa war die eigentliche Gründerin der Methode, die darin besteht, dass das Kleinkind
prinzipiell danach strebt zu handeln und sich zu erproben. Deshalb muß die Erzieherin
im Kindergarten vor allem versuchen, die Spontanität und Natürlichkeit des Kindes
anzuregen und zu unterstützen. Die kindliche Spontanität ist jedoch eng mit dem Familienleben,
dem Heim und der Mutter verbunden. Das ist die natürliche Umgebung des Kleinkindes.
Darum veränderte sich das "asilo d'infanzia", der frühere Kindergarten Friedrich Fröbels,
in "scuola materna" und versteht sich als Abbild des Familienlebens.
Das Lehrmaterial besteht aus Alltagsgegenständen und kostet wenig (Kleinkram, "cianfrusaglie",
für das Didaktische Museum). Die soziale Erziehung wird besonders gepflegt: Zum Beispiel
haben die größeren Kinder jeweils ein kleineres Kind in ihrer Obhut. Die Methode legt Wert
auf neue und erfindungsreiche Betreuung, aber sie führt keine radikalen Neuerungen
im Verhältnis Schüler-Lehrer ein, weil dies immer im Zentrum des Geschehens bleibt.
Die Schwestern Agazzi erhielten Einladungen aus ganz Italien, um bei der Einrichtung neuer
Kindertagesstätten ihre besondere Arbeitsweise vorzustellen und die Erzieherinnen nach
den Prinzipien des neuen Modells anzuleiten.
Die Gemeinde von Triest gewinnt besonders große Anerkennung unter allen Gemeinden
Italiens. Die Arbeit als nationale Erzieherinnen wird in den folgenden Jahren bis
zum Ersten Weltkrieg fortgesetzt. Aber 1927 mußten sie wegen bürokratischer
Mißverständnisse die vollständig renovierte Einrichtung in Mompiano aufgeben.
Zahlreiche Kindertagessstätten vom Typ Agazzi entstanden auch im Ausland, 1949 waren es
in Italien 74 % .
Carolina Agazzi ist besonders der Sinn für das Praktische zu verdanken, Rosa steht für
die Anwendung und Perfektionierung der Erziehungsmethode sowie die Verbreitung der
pädagogischen Arbeit.
In Italien hatte das System Agazzi einen starken Einfluss, und es wird bis heute in vielen
Tagesstätten praktiziert.
Text: Frauengruppe aus Vicenza ( Übersetzung: Erdmute Dietmann-Beckert)
Bild: www.sectioaurea.com

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