1860 - 1935
Friedensnobelpreis 1931
"Das Gefühl, die Welt ein Stück weiterbringen zu müssen"
Laura Jane Addams wird am 6. September1860 im amerikanischen Bundesstaat Illinois geboren.
Sie hat drei ältere Schwestern und einen jüngeren Bruder. Die Mutter stirbt,
als Jane zwei Jahre alt ist. Der Vater, ein wohlhabender,amerikanischer Selfmademan,
bezeichnet sich als Quäker. Er ist ihr großes moralisches Vorbild.
Bereits im Kindesalter erkrankt Jane an Knochentuberkulose und trägt ein
lebenslanges Rückenleiden davon. Der Vater stirbt 1881.
Im Alter von siebzehn Jahren besucht sie das Female Rockford Seminary
und beginnt nach Abschluss der Schule das Studium der Medizin.
Aus gesundheitlichen Gründen muss sie es aber abbrechen.
Zur Erholung reist sie 1885 nach Europa. Nach ihrer Rückkehr kümmert sie sich
um farbige Waisenkinder. 1887 reist sie zum zweiten Mal nach Europa und begegnet
den Elendsvierteln in den Großstädten. In London aber lernt sie auch die
Toynbee Hall kennen, das erste Haus der Settlement Bewegung, einem Sozialsystem,
mitten im Massenelend.
Zurück in den USA eröffnet sie 1889 im Elendsviertel von Chicago das Hull House
zusammen mit ihrer Freundin Ellen Starr. Es soll nach dem Londoner Vorbild
dem Großstadtproletariat Hilfe zur Selbsthilfe anbieten.
Daneben engagiert sich Jane Addams in der internationalen Friedensbewegung.
Für ihren Einsatz für Frieden und Freiheit erhält sie 1931 als zweite Frau
nach Berta von Suttner den Friedensnobelpreis.
Sie stirbt an Krebs am 21. Mai1935 in Chicago.
Das Hull House in Chicago - Pionierin für Sozialreformen
Die Begegnung mit dem Arbeiterelend in den europäischen Großstädten
und der Settlement Bewegung hatten dazu geführt, in der schnell wachsenden
Industriestadt Chicago mit den vielen Einwanderern aus Europa das Hull House
mitten im Elendsviertel zu eröffnen. Hier sollten Emigranten, Arbeiter und Arbeitslose
und vor allem Frauen Hilfe und Unterstützung finden.
Viele Männer und Frauen aus
höheren Bildungsschichten waren von Janes Sozialengagement begeistert und
wohnten für eine gewisse Zeit im Hull House. Sie machten Bildungsangebote,
leiteten Sprachkurse oder gaben praktische Anleitungen für Haushalt
und Hygiene. Junge Mädchen konnten ihre theoretische Collegebildung
durch Sozialkompetenz erweitern. Im Laufe der Jahre entstanden Kindergärten,
Babybetreuung und schließlich auch eine Kinderklinik. Letztere entstand auf
Initiative von Dr. Alice Hamilton, die zwanzig Jahre lang in Hull House wohnte.
Jane Addams unterstützte auch die Arbeiter in ihrem Kampf um bessere Arbeitsbedingungen
wie den Achtstunden-Tag und die Sechs-Tage Woche. Es gab ja noch keine Gewerkschaften.
Auch die Frauen ermutigte sie sich zu organisieren. So wurde Hull House zu einer
Brücke zwischen den Klassen.
Jane Addams leitete Hull House bis zu ihrem Tod.
Politische Arbeit und Internationale Friedensbewegung
1912 wurde Jane Addams Mitglied der Progressiven Partei. Sie sollte
Theodore Roosevelt zur Wiederwahl verhelfen. Im Wahlprogramm stand die Forderung
nach Arbeitsschutzmaßnahmen und die volle politische Gleichberechtigung von Frauen.
Roosevelt wurde nicht wiedergewählt.
Als in Europa 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde Jane Addams
die erste Präsidentin der neugegründeten Women's Peace Party.
Sie versuchte, unter Politikern neutraler Staaten Friedensvermittler zu gewinnen.
In den USA führte Jane's Friedenspolitik häufig zu scharfen Debatten und Anfeindungen,
Dennoch hielt Jane an ihrer pazifistischen Überzeugung fest. 1915 wurde sie von
europäischen Frauen gebeten, die große internationale Frauenkonferenz in Den Haag
zu leiten. Fünf Tausend Frauen aus achtundzwanzig Ländern kamen zusammen.
Obwohl die Frauen aus kriegführenden Ländern gekommen waren, berieten sie
friedlich miteinander, wie der Krieg beendet werden könnte. Zwanzig Beschlüsse
sollten die Grundlage werden für einen dauerhaften Weltfrieden. Sie forderten u.a.
die demokratische Kontrolle der Außenpolitik und die volle politische Gleichberechtigung
für Frauen.
Als die Vereinigten Staaten 1917 in den Krieg eintraten, erfuhr Jane massive Anfeindung
und wurde von Nationalisten als "gefährlichste Frau Amerikas" beschimpft.
Sie aber ließ sich nicht beirren.
Nach Kriegsende beteiligte sich Jane an der Gründung der Internationalen Frauenliga
für Frieden und Freiheit, IFFF.
Für ihr unermüdliches Bemühen um den Frieden in der Welt erhielt sie 1931 den
Friedensnobelpreis. Allerdings musste sie den Preis mit einem Mann teilen,
der sie während des Weltkriegs beschimpft hatte.
Ihren Anteil am Preisgeld stifte Jane Addams der IFFF.
Text: Erdmute Dietmann-Beckert 2006
Brass, Monika (Hg) Frauenhände Frauenherzen, darin: Dr. Alice Hamilton.
Stuttgart 1957 S. 247ff
Eberhart, C.: Jane Addams - Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Reformpolitik. 1995
Harenberg das Buch der tausend Frauen. Meyers Lexikonverlag Mannheim 2004,S.14f
Kerner Charlotte (Hg) Nicht nur Madame Curie… darin: Irene Stratenwerth: Jane Addams,
Weinheim 1999, S.44 ff
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