Clara Zetkin war die Führerin
und maßgebliche Theoretikerin der deutschen proletarischen Frauenbewegung.Von
1892 bis 1917 leitete sie die Redaktion der sozialistischen Frauenzeitschrift:
Die
Gleichheit.
Von Ihrer Mutter lernte
Clara Zetkin die Ideen der Revolution von 1848 und der Frauenemanzipation
kennen.
Der Vater, ein Dorfschullehrer,
bereitete die Tochter auf das Gymnasium vor. Mit 15 Jahren trat Clara in
das Steybersche Lehrerinnenseminar in Leipzig ein, wo sie 1878 die staatliche
Prüfung mit Auszeichnung bestand. Auguste Schmidt, die Seminarleiterin
und Mitbegründerin des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins,
förderte die intelligente Schülerin sehr, wandte sich jedoch
von von ihr ab, als Clara eine Beziehung mit dem russischen Revolutionär
Ossip Zettkin einging und sich für die SPD engagierte. Auch ihre Familie
nahm an ihrem „roten Freund" Anstoß.
Clara übernahm bei einem
Fabrikanten eine Stelle als Hauslehrerin; nach zwei Jahren wurde sie wegen
heftiger Kritik an ihrem Arbeitgeber entlassen. Auch ihre nächste
Anstellung mußte sie wegen ihrer radikalen Ansichten aufgeben.
1882 ging Clara Zetkin nach
Zürich, wo sie Ossip wiedertraf. Sie beteiligte sich an der Herstellung
sozialistischer Literatur, die nach Deutschland eingeschmuggelt werden
sollte.
Im Kontakt mit Julius Motteler,
der ein wichtiger Wortführer im Kampf um die Gleichberechtigung der
Frau war, reifte ihr Entschluß, sich für die Frauenfrage einzusetzen.
1833 ging Clara mit Ossip
nach Paris, dem damaligen Zentrum der internationalen sozialistischen Bewegung.
Sie nahm Ossips Namen an, heiratete ihn jedoch nicht, um die Deutsche Staatsbürgerschaft
nicht zu verlieren. Für den Unterhalt ihrer zwei Söhne mußte
sie nach Ossips frühem Tod allein aufkommen. Dennoch engagierte sie
sich mit vollen Kräften für den Sozialismus. Auf der II. Internationale
1889 in Paris hielt sie ein Referat, das wesentlich dazu beitrug, daß
sich die Partei verpflichtete, die Einbeziehung der Frauen und Mädchen
in die sozialistische Bewegung durchzusetzen. Diese programmatische Rede
wurde unter dem Titel Die Arbeiterinnen- und Frauenfrage der Gegenwart
1889 als Buch herausgegeben und wurde zur Grundlage der Frauenemanzipationstheorie
der Partei.
Nach Aufhebung des Sozialistengesetzes
kehrte Clara Zetkin 1890 nach Deutschland zurück. Sie mußte
zunächst als Annoncenwerberin arbeiten, weil ihr selbst August
Bebel keine Stellung in der Partei verschaffen konnte. Die Vorurteile
gegen Frauen waren in der SPD noch zu groß. Im Jahre 1892 wurde Clara
Zetkin jedoch die Redaktion der Gleichheit angeboten, die sie 25
Jahre lang leitete, und die als ihr Lebenswerk bezeichnet werden kann.
Durch dieses einflußreiche Sprachrohr wurde sie zur Leitfigur der
proletarischen Frauenbewegung.
Text: Mathilde
Block 1999
Quelle:
Aus Geschichte der Frauenemanzipation
in Deutschland und Österreich, v. Daniela Weiland
Literatur
Primärliteratur:
Clara Zetkin: 1889 Die Arbeiterinnen-und
Frauenfrage der Gegenwart.
Sekundärliteratur:
K. Bauer, ClaraZetkin und
die proletarische Frauenbewegung.Bln.1978
L.Dornemann, Clara Zetkin.
Leben und Wirken, Bln. 1957
R.J. Evans, Sozialdemokratie
und Frauenemanzipation im deutschen Kaiserreich. Bln./Bonn 1979
K.Honeycutt, Clara Zettkin.
A left-wing socialist and feminist in Wilhelmian Germany, Columbia 1975
C.Zettkin, Ausgewählte
Reden und Schriften. 3 Bde., Bln.(DDR) 1960
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