Rahel Varnhagen


Wichtigstes Ziel: "Mit sich selbst identisch sein."



Geboren am 19.5.1771 in Berlin, gestorben am 7.3.1833 in Berlin


 Kurzbiografie

Rahel wurde als ältestes Kind des jüdischen Kaufmanns Markus Levin geboren.

Weder schön noch reich, dazu Frau und Jüdin, fühlte sich Rahel gesellschaftlich mehrfach benachteiligt. Trotzdem war sie eine der geistreichsten Frauen ihrer Zeit.

Sie hielt um die Jahrhundertwende in Berlin trotz bescheidener Verhältnisse einen Salon, der Mittelpunkt eines Kreises Intellektueller wurde. (Die Brüder Schlegel, Clemens von Brentano, Ludwig v.Tieck verkehrten z. B. dort). Man bewunderte ihre geistige Originalität, kritische Urteilsfähigkeit, leidenschaftliche Aufrichtigkeit, die sich auch in ihrem umfangreichen Briefwechsel manifestiert. Rahel Varnhagens wichtigstes Ziel war, mit sich selbst identisch zu sein, d. h. Einheit von Denken und Fühlen herzustellen.

Vielen war sie deswegen auch unbequem. Eine nicht standesgemäße Verlobung mit Graf von Finkenstein machte sie sehr unglücklich. Sie trennt sich wieder von ihm, denn Anpassung an den Landadel ihrerseits und Einfühlung in das Berliner Salonleben seinerseits wurde für das Paar unmöglich.

Im Salon erfuhr sie, "...stigmatisiert von Unglück" ihre Blütezeit. Ihre Verzweiflung macht sie attraktiv in der Zeit der Frühromantik und der Aufklärung. Wie andere begabte Frauen und Männer orientierte sie sich an den Idealen des Humanismus. In der anbrechenden Zeit der Restauration wurde ihr Salon vernachlässigt. Nationale und christliche Ideen waren in der Gesellschaft vorherrschend. Sie floh schließlich zu einer Freundin nach Paris, kehrte jedoch bald wieder nach Berlin zurück. Mit neu gewonnenen Freunden verkehrte sie dann hauptsächlich in brieflicher Form.

1814 heiratete sie den vierzehn Jahre jüngeren August Varnhagen. Er trug zum großen Teil der postumen Veröffentlichungen ihrer ca. 10 000 Briefe bei. In einer sehr einfühlsamen Biographie dokumentiert Hannah Arendt den Lebensweg dieser beeindruckenden Frau.

Text: von Brigitte Nguyen-Duong 1998


 Quellen und Literatur

Quellen:

Thomann Tewarson, Heidi: Rahel Varnhagen, rororo Bildmonographien, Hrsg. Klaus Schröter, 1997

Sölle, Dorothee und Kopetzki, Anette: Rahel Varnhagen, in: Hans Jürgen Schultz (Hrsg.) Frauen. Porträts aus zwei Jahrhunderten. Krenz-Verlag, Stuttgart 1981, S. 34 - 47.

Literatur

Primärliteratur

Rahel Varnhagen: "Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde." (Als Handschrift) Herausgegeben von Karl August Varnhagen von Ense. Berlin 1833.

Rahel-Bibliothek. Rahel Varnhagen. Gesammelte Werke. Herausgegeben von Konrad Feilchenfeld, Uwe Schweikert und Rahel E. Steiner. München 1983. 10 Bände.

Sekundärliteratur

Arendt, Hannah: Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik. Mit einer Auswahl von Rahel-Briefen und zeitgenössischen Abbildungen. München 1984, 5.Auflage

Drewitz, Ingeborg: Rahel. In I. Drewitz: Berliner Salons. Gesellschaft und Literatur zwischen Aufklärung und Industriezeitalter. Berlin 1965, S. 48 - 72.



Bilder: en.wikipedia.org; www.standford.edu

 Links

Aufsatz Carmen Stadelhofer

www.varnhagen.info

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