Geboren am 12. Februar 1861 in St. Petersburg,
gestorben am 5. Februar 1937 in Göttingen
Louise Salomé, wie
ihr Taufname lautete, verbrachte ihre Jugend im großbürgerlich-aristokratischen
St. Petersburg. Ihr Vater war General des Zaren und wohnte mit seiner Familie
im Generalstabsgebäude gegenüber dem Winterpalast. Als jüngstes
Kind wuchs sie mit fünf Brüdern und einem Vater, der sie vergötterte,
in einer von Männern bestimmten Umgebung auf. Sie wurde geprägt
von der kosmopolitischen und freigeistigen Atmosphäre in St. Petersburg.
Entscheidenden Einfluß auf sie übte
ihr Mentor, der holländische protestantische Pfarrer Hendrik Gillot
aus, als sie in der Pubertät den Glauben an Gott verlor. Unter Gillots
Anleitung erhielt sie eine umfassende intellektuelle Bildung, die ihr das
ganze Leben nützte. In ihrem ersten Buch mit dem Titel "Im Kampf
um Gott" setzte sie sich religionsphilosophisch mit ihren inneren Problemen
auseinander. Mit neunzehn Jahren begann sie in Zürich Religionsphilosophie
und Kunstgeschichte zu studieren. Eine schwere Krankheit kam dazwischen,
die sie in Rom bei einer Bekannten auskurieren sollte. Dort traf sie Paul
Rée und Friedrich Nietzsche. Die beiden Freunde waren
gleichermaßen fasziniert von Lous Erscheinung. Spontan entdeckte
Geistesverwandtschaft beflügelte das Trio, gemeinsam ihre philosophischen
Studien als "die fröhlichen Wissenschafter" zu betreiben. Das
Beziehungs-Experiment führte bei allen Dreien zu genialen schöpferischen
Leistungen, aber es scheiterte in ihren Beziehungen zueinander, denn es
zeigte auf dramatische Weise die Labilität des seelischen Gleichgewichts
der beiden Philosophen.
Lou entschloß sich, als Schriftstellerin
ihre Unabhängigkeit zu erwerben. Sie konnte sich schwer dem Rhythmus
anderer Menschen anpassen und wollte nach ihrer eigenen Natur leben, suchte
aber den geistigen Austausch mit Gleichgesinnten und dabei geriet sie stets
in Konflikte mit der Gesellschaft. Später, bei ihrer Arbeit mit Freud,
verarbeitete Lou diese Erfahrungen in der Psychoanalyse.
Ihre Heirat mit Friedrich Andreas
war, wie sie sich ausdrückte, eine Schicksalstat, denn Andreas drohte
sich umzubringen, wenn sie in die Heirat nicht einwilligen wollte. Die
sogenannte eheliche Pflicht wurde nie vollzogen. Mit starkem Willen bestand
sie auf ihrer Freiheit. Sie reiste viel und verkehrte in revolutionärer
und antibürgerlicher Gesellschaft. In Berlin, München, Paris
und Wien machte sie die Bekanntschaft von namhaften europäischen Schriftstellern,
wie Wedekind, Hauptmann, Schnitzler, Ibsen, Strindberg, Rilke, die
Einfluß auf sie ausübten und umgekehrt. Wichtig waren für
sie immer die Antipoden Stärke und Zartheit in einer Person. Mit Rilke
verband sie eine Jahre lange Freundschaft, die in ihrem umfangreichen "Briefwechsel
mit Rilke" dokumentiert ist.
Im fortgeschrittenen Alter von über
fünfzig wandte sie sich nach ihrer Begegnung mit Freud endgültig
der Psychoanalyse zu. Sie schrieb noch in einigen Fachzeitschriften,
aber war nach intensivem Studium hauptsächlich als klinische Analytikerin
tätig. Nachdem ihr Mann 1930 gestorben war, zog sie sich in ihr gemeinsames
Haus nach Göttingen zurück. Dort schrieb sie ihren "Dank an
Freud", eine öffentliche Huldigung, aber auch eine kritische Stellungnahme
zu Freuds Dogmatik.
"Lebensrückblick" nannte sie
ihr letztes faszinierendes Buch, in welchem sie ihre Erlebnisse Gott, Liebe,
Heimat, als innerste Erfahrungen beschreibt, die sie als eine "Einheit
des Seins" erlebte. "Mit einer mystisch anmutenden Leidenschaftlichkeit
suchte sie diese Einheit zu verstehen, zu erfassen, zu erleben." kommentierte
ihr Biograph H.F.Peters das Leben dieser außergewöhnlichen Frau.
Text: Brigitte Nguyen-Duong,
1999
"F. Nietzsche, P. Rée, L. Andreas
Salomé" Hrsg.E.Pfeiffer, 1971
Primärliteratur:
-
"Im Kampf um Gott" 1885
-
"F.Nietzsche in seinen Werken" 1894
-
"Im Zwischenland" 1902
-
"Rodinka" 1923
-
"Fenitschka"
-
"Mein Dank an Freud" 1931
-
"Lebensrückblick" 1951
-
"Briefwechsel mit Rilke, 1952
-
"Briefwechsel mit Freud" 1966
Sekundärliteratur:
-
"F. Nietzsche, P. Rée, L. Andreas Salomé"
Hg. E. Pfeiffer, 1971
-
L. Müller Loreck, "Die erzählende
Dichtung Lou Andreas-Salomés", 1976
-
L. Salber, "Lou Andreas-Salomé", 1990.
Bild: www.liceoberchet.it

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