Louise Michel

Geboren am .20. Mai 1830 in Vroncourt (Haute-Marne)
Gestorben am 10. Januar 1905 in Marseille
"Jeanne d'Arc der Barricaden"


 Kurzbiografie

Die Geburt von Louise Michel ist von merkwürdigen Umständen umgeben. Ihre Mutter, Marianne Michel, ist als Kind auf dem Landsitz Vroncourt in der Nähe von Domrémy (dem berühmten Dorf der Jeanne d'Arc) von den dortigen Schloßherren aufgenommen worden und wird mit deren eigenen Kindern erzogen. Später, als Magd in der Familie, bringt sie in jungen Jahren ihr uneheliches Kind Louise zur Welt. Man weiß nie genau, wer der Vater war, der Sohn der Familie, der bald darauf das Haus verlässt, um zu heiraten, oder der Großvater.

Aus dieser Zeit hinterlassen Anspielungen und Familienszenen tiefe Spuren bei dem Kind.

Dennoch erlebt Louise eine glückliche Kindheit. Sie wird von zärtlicher Liebe ihrer Mutter und ihren Großeltern umgeben. Vor ihrer späten Schulzeit, (Schulen sind erst seit 1850 für Mädchen zugänglich), erhält sie eine außergewöhnliche Bildung von ihrem Großvater, einem ehemaligen republikanischen Rechtsanwalt, Literaten und Humanisten und leidenschaftlichem Leser. Bald verfasst sie ihre eigenen Gedichte und schickt sie an Victor Hugo, mit dem sie, sowie mit anderen wichtigen Persönlichkeiten, fleißigen Briefkontakt unterhält.

Als ihr Großvater stirbt, wendet sich ihr Schicksal. Die Erben schicken sie mit ihrer Mutter aus dem Haus und verbieten ihnen ihren Namen zu tragen. Von diesem Zeitpunkt an signiert sie mit dem Namen MICHEL.Ihre Revolte und ihr Kampf gegen die Ungerechtigkeit nehmen damit ihren Anfang und prägen ihren Charakter. Voller Misstrauen gegen die Gesellschaft erträgt sie weder Lüge noch Leid der Menschheit und der Tiere; sie ist eine Mystikerin mit der Idee der Aufopferung.. Später löst sie sich von jeglicher Religion , unterwirft sich als "Köder" dem einfachen Volk, aber ihre Großzügigkeit ist legendär.

Was ihr Aussehen betrifft, hat sie kein hübsches Gesicht. Aber zwei wunderbare Augen voll Zärtlichkeit kompensieren ihre harten und willensstarken Züge. Sie hat eine eiserne Gesundheit mit der sie die härtesten Prüfungen durchsteht.

Als sie 1853 zur Lehrerin ernannt wird, schafft sie als erstes das Morgengebet ab und ersetzt es durch die Marseillaise (diesem ungehörigen Lied unter dem Zweiten Kaiserreich). Sie schreibt auch subversive Lieder über das Regime von Napoleon III. Drei Jahre später kommt sie nach Paris und entdeckt dort die soziale Ungerechtigkeit, die einhergeht mit dem wirschaftlichen Aufschwung. Sie findet Unterstützung in "Le Cri du Peuple", einer Zeitung von Jules Vallès, um die Misere zahlreicher Arbeiter aufzudecken und entdeckt dabei ihr Talent zum Journalismus, während sie gleichzeitig ihren Beruf in einer Mädchenschule ausüben kann.

Sie frequentiert einen illegalen revolutionären Club, gibt dort Unterricht und nimmt an Kursen teil. Sie ist Anhängerin von sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Ideen, die sich in ganz Europa und in den Vereinigten Staaten verbreiten. Ihre zahreichen Männerfreundschaften stammen teilweise aus dieser Zeit. Eine leidenschaftliche platonische Liebe verbindet sie mit Théophile Ferré, der mit 25 Jahren einer der erschossenen Kommunarden sein wird.

Als ihre Schuldirektorin 1865 stirbt, eröffnet sie eine eigene kleine Schule, wo sie ihren Lehr- und Erziehungsauftrag bei den Ärmsten erfüllt, und ihnen kostenlose Kleider und Nahrungsmittel zusichern kann, möglich durch einVermächtnis ihres Großvaters an ihre Mutter, die jetzt bei ihr wohnt.

Das Ende des Kaiserreichs naht. Im Jahr 1870, am Ende des Krieges gegen Deutschland unter Bismarck, überschlagen sich die Ereignisse. Die französische Niederlage führt zu Aufständen in Paris und zum Bürgerkrieg. Der Aufstand der Kommune hat 35 000 Tote zu beklagen. Louise wird zur Vorsitzenden des republikanischen Wachkomitees. Sie ist Gardistin im 61. Bataillon, Sanitäterin, gründet den Club der Revolution und erhält den Ruf einer "Anzünderin", denn sie zögert auch nicht Wohnungen der Kommunarden anzuzünden, die sich zurückziehen, um den Vormarsch der Versailler Tiers-Truppen abzubremsen.

Als sie ihre verhaftete Mutter befreien will, wird sie selbst eingesperrt und mit 13 500 Frauen und Kindern zur Deportation verurteilt. Die Zeitungen vergleichen diese "blutrünstige Wölfin" mit Théroigne de Méricourt, Revolutionärin von 1789. Sie wird auch als "Rote Jungfrau" oder "Jeanne d'Arc der Barrikaden" bezeichnet, je nach Lager. Victor Hugo widmet ihr das wunderschöne Gedicht: "Viro Major".

1873 kommt sie nach Neukaledonien. In der Strafkolonie sind die Verhältnisse sehr hart, aber die politisch Gefangenen können sich auf der Insel frei bewegen. Louise studiert die Flora und Fauna, trifft mit Eingeborenen zusammen, integriert sich in ihre Gesellschaft, lernt ihre Sprache, interessiert sich für ihre Kultur und unterstützt ihre Revolte gegen die Kolonialisten, indem sie ihnen Geschichts- und Sozialkundeunterricht vermittelt.

1880, bei Anbruch der III. Republik wird die Amnestie verkündet. Louise ist schon berühmt. Tausende von Parisern heißen sie bei ihrer Ankunft in der Hauptstadt willkommen. Aber die staatliche Macht gefällt dieser Utopistin nicht. Sie glaubt mehr als zuvor an die Anarchie und verbringt ihre Zeit damit, Frankreich und die Nachbarländer zu durchreisen, um überall über die Ideen der sozialen Gerechtigkeit Kurse zu halten. Sie wird jedoch von der zivilen Polizei überwacht und endet 1883 im Gefängnis. Durch den Druck ihrer Freunde bleibt sie dort nur drei Jahre und nimmt anschließend ihre Aktivitäten wieder auf. Auch Verlaine widmet ihr zu dieser Zeit ein Gedicht.

1890 wird sie wieder verhaftet aber nicht eingesperrt, sondern erfährt eine Verleumdungskampagne, die sie veranlasst Frankreich zu verlassen. Sie fährt nach London, wo sie zahlreiche Freunde aus der Anarchistenszene trifft. Sie bleibt dort fünf Jahre und leitet eine freie Schule.

Als sie nach Frankreich zurückkehrt, beginnt sie wieder das Land in ihrem Sinne zu missionieren. Geschwächt durch ein Pneunomie, stirbt sie in Marseille im Alter von 75 Jahren.

Man schätzt, dass 200 000 Menschen neun Stunden lang ihrem bescheidenen Sarg quer durch Paris folgten. Als legendäre Figur der Arbeiterwelt und Fahnenträgerin des Anarchismus wird ihr Grab noch lange Zeit Menschenmengen anziehen.

Annette Lafourcade, Paris.
Text übersetzt von Brigitte Nguyen-Duong

 Quellen und Literatur

"Louise Michel", die Absolute der Großzügigkeit , von Anne Sizaire
Ed. Desclée de Brouwer et Encyclopaedia Universalis

Bild: www.victorhugo2002.culture.fr

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