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Fanny Lewald wird am 24. März 1811 in Königsberg geboren. Sie ist das älteste Kind, der Vater ein begüterter Kaufmann. Als Mädchen und Jüdin ist sie doppelt benachteiligt. In der Schule fällt sie durch Fleiß und Wissensdrang auf, Eigenschaften, die zu jener Zeit Jungen zugeschrieben werden. Sie verläßt die Schule mit vierzehn Jahren und muß sich von da an häuslichen Arbeiten widmen." Es gibt nichts Widerwärtigeres und was unbrauchbarer sei als ein gelehrtes, unpraktisches Frauenzimmer", meint der Vater. Mit 17 verliebt sie sich in einen jungen Theologiestudenten. Der Vater bricht die Beziehung ohne Erklärung ab. Später tritt sie mit Erlaubnis des Vaters zum Christentum über. 1832 begleitet sie ihren Vater auf Geschäftsreisen. Die Absicht des Vaters, eventuell eine passende Partie für sie zu finden, verursacht bei ihr Scham und Zorn. Die Reise gibt ihr Gelegenheit, den neuen Geist der Epoche kennenzulernen. Die Juli-Revolution in Frankreich hat Auswirkungen auf das junge Deutschland. Die Liebe zu ihrem Vetter Heinrich Simon bleibt unerwidert. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt, als August Lewald, ein anderer Vetter, der die Zeitschrift "Europa" leitet, ihre literarische Begabung entdeckt und sie fördert. 1843 veröffentlicht sie ihren ersten Roman "Clementine", in dem sie die Unterdrückung der Juden zum Thema macht. Der zweite Roman "Jenny" thematisiert die Unterdrückung der Frauen. In den folgenden Jahren nimmt sie Stellung zur Ehescheidung und sie setzt sich für die Rechte der unteren Schichten ein. Als sie sich mit vierunddreißig Jahren in Berlin eine Wohnung sucht, muß der Vater seine Zustimmung geben. 1845 lernt sie in Italien den Schriftsteller Adolf Stahr kennen, heiratet ihn aber erst 1855 nachdem seine Ehefrau in die Scheidung einwilligt. Das Ehepaar unternimmt gemeinsame Reisen durch Deutschland, nach England, Frankreich, Italien und in die Schweiz. Auch nach dem Tod ihres Ehemanns 1876 geht sie weiter auf Reisen. Ihre politischen Schriften zu Frauenfrage lösen großes Interesse aus. Es gibt weitere Auflagen und sie werden ins Polnische, Russische, Ungarische und Kroatische übersetzt. Ein starkes Vorbild für sie wird Rahel Levin-Varnhagen, deren Briefe sie mit dreiundzwanzig Jahren zum ersten Mal liest. Durch ihre Arbeit erlangt Fanny jedoch nur äußere Unabhängigkeit. Durch die Begegnung mit bedeutenden Frauen in Berlin und Rom wird sie auch eine unabhängige Persönlichkeit. Zu diesen Frauen gehören u.a. Henriette Herz und Fanny Mendelsohn, verheiratete Hensel, die Musikerin, aber auch Bettina von Arnim. In ihren Osterbriefen beschäftigt sie sich mit der Lage der weiblichen Dienstboten. Sie fordert für die Töchter der Armen eine Lehre und Ausbildung. Sie appelliert an die bessergestellten Frauen, sich mit den ärmeren Mitschwestern solidarisch zu zeigen und sich um ihre Erziehung und Weiterbildung zu bemühen. Sie setzte sich auch für ganz praktische Dinge ein wie: Kranken- und Altersversorgungskassen, Speisehäuser und Herbergen für Arbeiterinnen. Die Deutschen Handwerker- und Arbeitervereine sind an diesen Forderungen nicht interessiert, weil sie in den Frauen Konkurrentinnen befürchten. Fanny Lewalds Arbeit und Einsatz verbindet sie mit der Bürgerlichen Frauenbewegung, die sich damals zu organisieren beginnt. Diesem Verein beizutreten oder sich an dessen Spitze zu setzen, lehnt sie aber ab. Als sie 1888 stirbt, hat sich die Lage
der Frauen bereits verbessert. Sie sind nicht mehr nur auf die häusliche
Sphäre eingeschränkt. In Berlin werden die ersten gymnasialen
Aufbaukurse für Mädchen eröffnet.
Primärliteratur: Jenny 1843; (Thema: Unterdrückung der Frauen) Eine Lebensfrage. 1846 (Thema: Positive Parteinahme für die Ehescheidung) Der Dritte Stand 1846 (Thema: Hebung des Lebensstandards der ärmeren Bevölkerung auf Kosten der Besitzenden) Osterbriefe für die Frauen 1863 Für und wider die Frauen 1870 Italienisches Bilderbuch. Ungekürzte Neuausgabe der Originalfassung aus dem Jahr 1847. Frankfurt.M. Helmer 1992 Freiheit des Herzens. Lebensgeschichte, Briefe, Erinnerungen. Herausg. von Gerhard Wolf mit einem Nachwort Berlin. Der Morgen 1987 Meine Lebensgeschichte. Herausg. von U. Helmer . Frankfurt.M. Helmer 3 Bände 1988/89 Band 1 Im Vaterhause 1988; Band 2 Leidensjahre 1989; Befreiung und Wanderleben 1989 Sekundärliteratur:Gisela Brinker-Gabler. Fanny Lewald in: H.J. Schultz. Frauenporträts aus zwei Jahrhunderten, Stuttgart 1981Carmen Stadelhofer. Frauen im Aufbruch in: Herbert Hertramph et al. (Hg) Alternativen. Langenau-Ulm 1992.153 Brigitta van Rheinberg. Fanny Lewald. Geschichte einer Emanzipation. Eine historische Biographie unter Berücksichtigung des Emanzipationsgedankens. Dissert. Universität Tübingen 1987 Regula Venske. Ach Fanny! Vom jüdischen Mädchen zur preußischen Schriftstellerin. Fanny Lewald. Berlin West ElefantenPresse 1988 Fanny Lewald als Schriftstellerin des 19.
Jahrhunderts. Leben und Werk einer schreibenden Frau. Vorstellung und Analyse
einiger Werke unter ausgewählten Aspekten. Magister Universität
Gießen 1989
Aufsatz von Carmen Stadelhofer
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