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Geboren 9.04.1848 in Oldenburg, gestorben 1930
Vater: Kaufmann, Mutter stirbt als Helene 7 Jahre alt ist. Mit 16 Jahre wird sie Vollwaise. Sie kommt für 1 Jahr in ein Pfarrhaus nach Süddeutschland. Dort erfährt sie im Kreis der Gäste und studierenden Söhne, wie unterschiedlich gebildet Männer und Frauen sind, daß Frauen nicht mitreden können und dürfen. Daß Frauen, wenn ihnen auf autodidaktischem Wege Bildung gelingt, sie diese verstecken müssen. Hier lernt sie die Sklavenmentalität der Frauen des Bildungsbürgertums kennen. Dies will sie für sich nicht akzeptieren. Sie will den einzigen Beruf erlernen, der für Frauen erlaubt war: Lehrerin. Der Vormund lehnt ab. Sie geht als Au pair Mädchen an ein französisches Internat und darf dort Deutsch unterrichten. Auf autodidaktischem Weg bildet sie sich nach und nach weiter in Philosophie, Geschichte, Literatur- und Religionsgeschichte sowie alte Sprachen. Nach Volljährigkeit legt sie in Berlin das Lehrerinnenexamen ab und arbeitet von da an als Lehrerin, Ausbilderin, Organisatorin des Lehrerinnenberufs. Helene Lange wurde eine der wichtigsten
Theoretikerinnen und Führerinnen des gemäßigten Flügels
der bürgerlichen Frauenbewegung. Helene Lange sah in der spezifisch
weiblichen Wesensart eine Chance für die Kulturentwicklung. Sie empörte
sich über die Weimarer Denkschrift deutscher Mädchenschulpädagogen,
in der diese das Ziel von Mädchenbildung nur darin sehen, "daß
der deutsche Mann nicht durch die geistige Kurzsichtigkeit und Engherzigkeit
seiner Frau an dem häuslichen Herd gelangweilt werde." (Weiland, 1983,
S.167) Sie verfaßte eine Broschüre und eine Petition an das
preußische Unterrichtsministerium zur Änderung der Lehrerinnen
und Mädchenbildung. Sie plädierte für eine gleichwertige
Ausbildung für Mädchen. 1890 gründete Helene Lange den Allgemeinen
Deutschen Lehrerinnenverband. (Zölibatsklausel für Lehrerinnen,
nicht für Lehrer) Ab 1893 Herausgabe der Zeitung "Die Frau" Helene
Lange war auch Vorkämpferin für die politischen Rechte der Frau.
Ab 1898 arbeitet sie eng mit der sehr viel jüngeren Frauenrechtlerin,
Gertrud Bäumer, zusammen. 1919 zog Helene Lange mit 71 Jahren als
Abgeordnete in die Hamburger Bürgerschaft ein.
Quelle:
LiteraturPrimärliteraturHelene Lange und Gertrud Bäumer, Handbuch der Frauenbewegung, Gesamtwerk T I-T V Julius Beltz Verlag Helene Lang, Die Frauenbewegung in ihren modernen Problemen tende-Verlag, Münster 1980 Sekundärliteratur Jochimsen, Ina: Helene Lange in: Hans Jürgen
Schultz (Hrsg.) Frauen. Porträts aus zwei Jahrhunderten. Krenz Verlag,
Stuttgart 1981, S. 142 - 156.
Aufsatz von Carmen Stadelhofer |