Aletta Jacobs

 

 

 Kurzbiografie

Jacobs, Aletta (1854-1929), niederländische Ärztin und Gründerin („Königin-Mutter“) des Feminismus in den Niederlanden. Aufgewachsen in einer progressiv-liberalen Ärztefamilie, wurde Aletta ein Pionier auf vielen Gebieten. Sie war die erste Frau in den Niederlanden die das Lehrling-Apothekerdiplom erhielt (1870), die Oberschule besuchte, zur Universität zugelassen wurde, promovierte (1878) und sich in Amsterdam als Ärztin niederliess. Im Jahre 1882 startete sie ihre erste Klinik für Geburtenregelung auf der Welt und introduzierte sie das Pessar in diesem Land. Sie gab ebenfalls Aufklärung über Geschlechtskrankheiten. Zwei Vormittage pro Woche hielt sie kostenlose Sprechstunden für Arbeiterfrauen und Prostituierte. Bekannt sind auch ihre (erfolgreichen) Bemühungen um Sitzplätze für weibliches Ladenpersonal, das durch tagelanges Stehen oft allerlei gynäkologische Abweichungen aufzeigte. Im Jahre 1903 gab sie ihre Arztpraxis auf, um die Leitung der Vereinigung fur Frauenwahlrecht zu übernehmen. Schliesslich wurde das Ziel im Jahre 1919 erreicht: Frauen erhielten allgemeines Wahlrecht. Während des ersten Weltkrieges wurde sie eine international aktive Pazifistin. Sie hat viel geschrieben u.a. über Prostitution, Frauenwahlrecht und Frieden. Im Jahre 1924 schrieb sie ihre Lebensgeschichte Herinneringen [Erinnerungen].“
Aus: Hedy d’Ancona (red.)…[et al], Vrouwenlexicon: Tweehonderd jaar emancipatie van A tot Z [Frauenlexikon: Zweihundert Jahre Emanzipation von A bis Z], 1989

„Lassen Sie mich jedoch folgendes gestehen: als ich dann einmal dabei war, alte Briefe und Papiere durchzulesen, Notizen zu machen um alles zu sortieren und ordnen, wurde ich mir immer mehr ermutigend bewusst, dass das Schreiben dieses Buches einigen Nutzen haben würde. Die heutigen Frauen und Mädchen dürften sich ruhig noch mal deutlich vor Augen führen, wie schwierig, langweilig und wenig erhebend das Leben ihrer Grossmütter und Mütter, und insbesondere ihrer unverheirateten Tanten, war. Dadurch würden sie es mehr schätzen, wieviel mehr sie im höheren Sinn das Leben geniessen können, nun die Wege für ein freies und unabhängiges Dasein, auch für die Frau, geebnet sind.“
Aus: Aletta H. Jacobs, Herinneringen [Erinnerungen] van Dr. Aletta H. Jacobs, 1924 (Neuauflage 1978)

„Der grosse Verdienst von Jacobs ist, dass sie genau aufgezeigt hat, wo die Ursache dieser fortwährenden, ungleichen Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern liegt: der unfreiwilligen Mutterschaft. Der Kern der freiwilligen Mutterschaft, das Hauptziel in Jacobs’ Leben, ist nicht, dass Frauen ihre Kinder gern haben möchten. Der Kern ist, dass Frauen, auch wenn sie Kinder bekommen, „wirtschaftlich unabhängig“ bleiben, ihre vollständigen Rechte als Staatsbürger behalten, und diese auch realisieren können.“
Aus: Christine Clason, Aletta Jacobs (1854-1928), in: Hannelore Schröder (red.), Intellect kent geen sekse [Intellekt kennt kein Geschlecht], 1988

Das Werk der Aletta Jacobs
De vrouw [Die Frau], 1897
Het doel der vrouwenbeweging [Das Ziel der Frauenbewegung], aus De Gids, 1899
Vrouwenbelangen [Frauenbelange], 1899
De strijdwijze der doctoren Pinkhof en Mendes de Leon tegen het Nieuw Malthusianisme [Die Streitart der Doktoren Pinkhof und Mendes de Leon gegen den Neuen Malthusianismus], 1904
Brieven uit en over Amerika [Briefe aus und über Amerika], 1906
Vrouwenkiesrecht [Frauenwahlrecht], 1913
Reisbrieven uit Afrika en Azië [Reisebriefe aus Afrika und Asien], 1913
Herinneringen van Dr. Aletta H. Jacobs [Erinnerungen von Dr. Aletta H. Jacobs], 1924 (Neuauflage 1978)
Aus: Christine Clason, Aletta Jacobs (1854-1928), in: Hannelore Schröder (red.), Intellect kent geen sekse [Intellekt kennt kein Geschlecht], 1988
 
 Quellen und Literatur

Bild: www.alettajacobs.org

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