Olympe Marie de Gouges


"Frauen wacht auf! Die Stimme der Vernunft läßt sich auf der ganzen Welt vernehmen!" So lautet der Anfang des Nachworts zur Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin von 1791

Geboren 1748 in Montauban
Hingerichtet am 4. November 1793 in Paris


 Kurzbiografie

Olympe de Gouges wird 1748 in Montauban , Languedoc geboren. In der Geburtsakte, die erst viele Jahre nach ihrem Tod entdeckt wurde, ist zu lesen: "Marie Gouze legitime Tochter des Ehepaars Pierre Gouze, Metzger und Anne-Olympe Mouisset wurde am 7. Mai 1748 geboren und am nächsten Tag getauft". Der Vater stirbt, als Marie zwei Jahre alt ist. Eine Schulbildung gibt es zu jener Zeit nicht, vor allem nicht für Mädchen. Mit siebzehn Jahren wird sie mit Louis-Yves Aubry, einem Verwalter und späteren Wirt, verheiratet. Kurz nach der Geburt ihres Sohnes Pierre verstirbt ihr Ehemann. Von da an nennt sie sich Olympe Marie de Gouges.

Erst viel später beschreibt sie sich in einem autobiographischen Briefroman "Mémoires de Madame de Valmont" als "natürliche" Tochter des Marquis Jean-Jacques Le Franc de Pompignan, der sie jedoch zu seinen Lebzeiten nie anerkannte. Sie lernt den Transportunternehmer Jacques Biétrix kennen und zieht mit ihm nach Paris. Sie weigert sich, eine zweite Ehe einzugehen, Biétrix aber unterstützt sie. Augenzeugen berichten, daß sie von strahlender Schönheit war und in Paris bald als "femme galante" bekannt wurde.

Sie hat literarische Ambitionen, und sie gilt auch als "femme de lettres". Sie kann kaum lesen und schreiben und verfaßt doch Theaterstücke. Für die schriftliche Fassung bedient sie sich eines Sekretärs u.a. auch, weil sie die französische Sprache erst in Paris lernt. In ihrer Heimat war die Umgangssprache okzitanisch.

Mit dem Ausbruch der Revolution 1789 engagiert sie sich in den entstehenden Frauenclubs und besucht häufig die Sitzungen der Jakobiner. Sie wagt, sich öffentlich zu äußern als es um die Rechte der Frauen, die Verteidigung der Republik und die ungerechtfertigten Hinrichtungen, z. B. die des Königs und der Königin geht.

Sie stellt 1791 mit ihrer "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" der "Erklärung der Menschen und Bürgerrechte von 1789" ein Dokument entgegen, das den für natürlich angesehenen Ausschluß der Frauen aus dem politischen Leben aufdeckt. Diese Deklaration besteht aus Präambel, den Artikeln I bis XVII. Das Nachwort behandelt die Rechte der Frauen in Politik und Gesellschaft, die Legitimität der Herrschaft und die Eigentumsrechte.

Als sie sich dafür einsetzt, die Bürger wählen zu lassen, welche Regierungsform sie wünschen, eine Republikanische Regierung, ein Föderative Regierung oder eine Monarchie - für jede Form sollte eine bestimmte Urne aufgestellt werden - wird sie im Mai 1793 verhaftet und am 30. Oktober 1793 öffentlich hingerichtet.

In ihrem Vermächtnis ist zu lesen: "Mein Herz vermache ich dem Vaterland, meine Ehrbarkeit den Männern, meine Seele den Frauen."

Text: Erdmute Dietmann-Beckert 1998


 Quellen und Literatur

Quelle:
Hannelore Schröder 1979 a.a.O. und O. Blanc 1989 a.a.O)

Literatur

Primärliteratur:

Olympe de Gouges. Deklaration der Rechte der Frauen und Bürgerinnen, 1791 hrsg. v. Hannelore Schröder in: Die Frau ist frei geboren, München 1979 Band 1, S.33 - 49.

Olympe de Gouges. Les droits de la Femme et de la Citoyenne
diess. A la Reine. Paris 1791 beide Texte in Franz. und in dt. Übersetzung  in Hannelore Schröder. Olympe de Gouges. Mensch und Bürgerin. Aachen 1995

Olympe de Gouges. Schriften, hrsg. von Monika Dillier in Stroemfeld / Roter Stern, Frankfurt / M. 1980

Olympe de Gouges. Ouevres. Benoîte Groult (ed) Collection "Mille et une femme" Paris 1986 (Die Einleitung nimmt bezug auf Olympes Leben, es folgen politische Schriften, einige Theaterstücke und schließlich autobiographische Schriften.)

Olympe de Gouges. L’esclavage des Noirs 1792 ou l’heureux naufrage. Drame en 3 actes. Edition Paris

Sekundärliteratur:

Schröder Hannelore. Olympe de Gouges. Mensch und Bürgerin. Aachen 1995
(Die Autorin stellt die Texte in den Zusammenhang mit der frühen feministischen Aufklärung und zieht eine Bilanz der Wirkung dieser Texte bis zur frühen Bundesrepublik Deutschland. Ihre Analyse ist m.E. sehr einseitig auf Patriotismus und Versklavung der Frau und Kinder gerichtet.)

Blanc Oliver. Olympe de Gouges. Deutsche Übersetzung Wien 1989
(Er beschreibt Leben und Werk mit gewissem Schwerpunkt auf die literarische Arbeit insbesondere die Theaterstücke.)

Doormann Lottemi: "Ein Feuer brennt in mir." Die Lebensgeschichte der Olympe de Gouges. Beltz Weinheim  1993 (Darstellung des Lebens der Olympe in Zusammenhang der politischen Ereignis im Paris der Revolution)

Bemerkung von Erdmute Dietmann-Beckert:
Hannelore Schröder schätzt weder Blanc noch Doormann und beklagt, daß ihre (Schröders)
Verdienste um die Wiederauffindung der Texte "Rechte der Frau und Bürger" nicht gewürdigt werden.

Brandes Helga (Hg). Der Menschheit Hälfte blieb noch ohne Recht - Frauen und die Französische Revolution. Wiesbaden1991
(In dieser Veröffentlichung wird auch auf zwei weitere Feministinnen der ersten Revolution hingewiesen: Théroigne de Méricourt und Etta Palm.)

Bild: anabell.de