Maria Ward

Geboren am 23.Januar 1585 in Old Mulwith in Yorkshire
gestorben am 30. Januar 1645 in Hewarth in Yorkshire

Reformerin · Streiterin für Frauengleichstellung ·  Ordensgründerin


"Es heißt nicht Veritas hominis, die Wahrheit der Männer oder der Frauen, sondern Veritas Domini, die Wahrheit Gottes, des Herrn und diese Wahrheit können Frauen ebenso gut besitzen wie die Männer".


Zeitgeschichtlicher Hintergrund
Es ist eine gewaltreiche Zeit. Reformation und Gegenreformation entfachen Glaubenskämpfe und Kämpfe um Hab und Gut. Fanatismus und Hexenwahn breiten sich aus. Europa treibt auf den 30jährigen Krieg zu.

 Kurzbiografie

Maria Ward gehörte dem englischen Landadel an. Ihre Familie hatte nach der Einführung der Reformation in England am katholischen Glauben fest gehalten und aus diesem Grunde manche Schwierigkeiten gehabt. Johanna Ward, wie ihr ursprünglicher Name war, wurde schon als Kind zu katholischer Frömmigkeit angeleitet. Mit 5 Jahren wurde sie in die Obhut von Verwandten gegeben. Ihre religiösen Neigungen vertieften sich und mit 15 Jahren fasste sie den Entschluss, ins Kloster zu gehen. Als die Eltern sie dann verheiraten wollten, wehrte sie sich entschieden. Weil es damals in England gar keine Klöster gab, reiste Maria Ward im Mai 1606 nach St. Omer in Flandern. Dort wandte sie sich an einen Jesuitenpater, ihr zu einem Klostereintritt zu verhelfen. Dieser schickte sie als Laienschwester in ein Klarissenkloster. Dort sollte sie für die Klosterfrauen die täglichen Bettelgänge machen. Maria Ward, an die vornehme Lebensweise auf einem englischen Landgut gewöhnt, wurden die demütigenden Bettelgänge zur Qual. In ihr reifte der Gedanke, eine eigene Niederlassung für englische Nonnen zu gründen. Sie verließ das Klarissenkloster. Nach England zurückgekehrt warb sie unter den adligen jungen Frauen mit ihr ein gemeinschaftliches Leben zu beginnen - und hatte Erfolg. Mit fünf Gefährtinnen segelte Maria Ward wieder nach St. Omer. Sie kauften dort ein Haus und lebten, bei selbst gewählter Armut in klösterliche Gemeinschaft. Der Volksmund gab ihnen schon bald den Namen "Englische Fräulein".

Lebenswerk

Zwei Grundgedanken waren es, die ihr Lebenswerk bestimmten: die Idee eines klausurfreien Frauenordens, der sich nicht nur einem kontemplativen Dasein widmen, sondern darüber hinaus in die Welt hinein wirken sollte, und die Vorstellung von einem christlichen Unterrichtswesen für Mädchen aller Schichten. Maria Ward wurde deutlich bewusst, dass eine neue Zeit angebrochen war. Eine Zeit, die auch im religiösen Bereich an die Frau neue Anforderungen stellte. Maria Ward setzte sich damit klar über alles, was bisher von den Lehrern der Christenheit über weibliche Unzulänglichkeit gelehrt wurde, hinweg. In dem offiziellen kirchlichen Verbot der Ordensgemeinschaft stand die Begründung, dass "diese Frauen unter dem Scheine, das Heil der Seele zu fördern, Werke unternommen haben, die sich dem weiblichen Geschlecht bei der Schwäche seines Verstandes nicht geziemen und der weiblichen Bescheidenheit und Sittsamkeit nicht angemessen seien". Sie aber war der Überzeugung, dass Frauen befähigt sind, geistlich tätig zu sein. Eine ihrer Niederschriften über die Ziele ihres Instituts begann sie mit der Feststellung, "dass auch Frauen in dieser Zeit der Drangsal zu außerordentlichem berufen sind". Innerhalb kurzer Zeit hatte sie mit der Gründung und Einrichtung von Schulen nicht nur außergewöhnliche organisatorische Leistungen vollbracht, sondern auch den ärmeren Schichten der Bevölkerung Zugang zu Unterrichtsstätten ermöglicht. Je erfolgreicher jedoch ihre Einrichtungen waren desto massiver wurden die Anfeindungen ihrer Gegner, die ihr eigenwilliges Wirken herab zu setzen suchten. Maria Ward ließ sich davon nicht beirren. Sie kämpfte darum, ihrer Einrichtung eine unangefochtene Grundlage zu geben: Sie wollte die Anerkennung durch den Papst.
Im Oktober 1621 machte sie sich zusammen mit einigen Gefährtinnen zu Fuß auf den beschwerlichen Weg nach Rom. Versehen mit Empfehlungsschreiben von einflussreichen Persönlichkeiten, gelang es ihr tatsächlich, eine Audienz zu erwirken. Der Kirchenleitung erschien ihre Forderung nach Klausurfreiheit jedoch inakzeptabel.
Um dem Papst vor Augen zu führen, wie sie sich das neuartige Ordensleben vorstellte, gründete sie in Rom, später auch in Neapel und Perugia Schulen. Doch ihre Widersacher setzten alle Mittel ein, sie und ihr Werk zu vernichten. Sie hatten Erfolg. Auf Anweisung des Papstes wurden ihre Schulen wieder geschlossen.
Aber auch davon ließ sich Maria Ward nicht entmutigen. Sie fasste den kühnen Plan, die beiden mächtigsten katholischen Fürsten, Maximilian I. von Bayern und Kaiser Ferdinand II. als Helfer zu gewinnen.
Sie verließ 1625 Rom und wandte sich vorerst nach München, wo sie von Kurfürst Maximilian freundlich aufgenommen wurde. Er stellte Maria Ward und ihren Gefährtinnen ein eigenes Haus zur Verfügung und besoldete ihre Unterrichtstätigkeit.
Als liebenswürdige Begrüßung soll er gesagt haben:" Durch englische Missionare ist einst das Christentum nach Bayern gekommen, und durch englische Fräulein wird es nun erneuert". Ein halbes Jahr später ging Maria Ward nach Wien und wurde auch dort willkommen geheißen. Dies alles wurde von ihren Widersachern nicht gut geheißen. Sie intervenierten in Rom. Darauf ließ Papst Urban VIII eine Bulle anfertigen, mit der das Institut der "Englischen Fräulein" verboten und alle ihre Einrichtungen aufgehoben werden sollten. Maria Ward wurde am 7. Februar 1631 auf Befehl der Inquisition als "Häretikerin und Rebellin gegen den Heiligen Stuhl" gefangen genommen. Nach Wochen der Gefangenschaft war ihre Gesundheit so geschwächt, dass man ihren nahen Tod befürchtete. Die durch ihre Gefährtinnen übermittelten Bittschriften und Memoranden an den Papst bewirkten, dass ihre Haft aufgehoben wurde.
Den "Englischen Fräulein" wird gestattet in einer Gemeinschaft zusammen zu leben. Als Orden wurden sie ab er nach wie vor nicht anerkannt.
Schon schwer erkrankt, zog es Maria Ward zurück in die Heimat. Sie übersiedelte mit ihrer kleinen Schar nach England, wo sie am 30. Januar 1645 starb.
Bis zuletzt hatte sie gehofft, die Bestätigung ihrer Institution noch zu erleben. Aber das Verbot blieb bestehen. Erst im Jahr 1877 wurden die "Englischen Fräulein" als kirchlicher Orden vom Papst genehmigt.
Im Jahre 1909 ist schließlich das päpstliche Verbot, sie als Stifterin der Englischen Fräulein zu nennen, aufgehoben worden.

Text: Mathilde Block 2005


 Quellen und Literatur


Eltz-Hoffmann, Lieselotte von, Kirchenfrauen der frühen Neuzeit 1995 Hildebrandt, Irma: Bin halt ein zähes Luder, München 1991

Bild: maria-ward.de




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