Teresa von Avila

Philosophin, Reformerin, Mystikerin

Geb. Am 28. 03. 1515 in Avila, Gestorben am 03. 10. 1582 in Alba de Tormes (Salamanca)

Zitat: "Die Welt irrt. Gott ist kein Richter wie die Männer, die meinen, jede gute Fähigkeit bei einer Frau verdächtigen zu müssen."



 Kurzbiografie


Teresa entstammte einer frommen, wohlhabenden Familie jüdischer Herkunft aus Toledo. Ihr Großvater hatte vor dem Inquisitionstribunal seinen jüdischen Glauben aufgegeben. Teresa wuchs in einer gebildeten Atmosphäre auf. Als Kind war Teresa sehr phantasiebegabt und abenteuerlustig. Mit zehn Jahren gelobte sie ins Kloster zu gehen. Außerdem versuchte sie, zusammen mit ihrem Bruder, sich einem Kreuzzug anzuschließen. Nach dem frühen Tod der Mutter hat sie der Vater den Ursulinen anvertraut. Die dort herrschende strenge Disziplin hat der hübschen, zarten Teresa nicht zugesagt. Sie wartete auf ihren 16. Geburtstag, der sie von diesen Zwängen wieder befreien sollte. Sie hoffte zunächst auf ein irdisches Glück. Dann erkrankte sie und bekam epileptische Anfälle. Diese Erfahrungen führten sie wohl zu dem Entschluss, ihrem ursprünglichen kindlichen Gelöbnis nachzuleben.

Im Jahre 1534 trat sie in Avila in das Menschwerdungskloster der Karmeliterinnen ein. Dort fand sie eine laxe Klosterdisziplin vor, die sie sehr beunruhigte. Sie wurde erneut krank. Darauf brachte sie der Vater nochmals zu einer Tante aufs Land. Ein Onkel schenkte ihr dort ein religiöses Erbauungsbuch, ein mystisches ABC, "ein Beten ohne Worte," wie der Verfasser erklärt. "Gott ist lautlos, er ist die eingeborene Stille und nur wer sich ihm lautlos nähert, den hört, erhört und dem antwortet er." Teresa übt sich in der ländlichen Abgeschiedenheit diesem meditativen Beten.

Nach ihrer Rückkehr ins Kloster erkrankte sie erneut und diesmal so schwer, dass sie in eine tiefe Bewusstlosigkeit fiel. Acht Monate lag sie im Konventspital, klagte unter Schmerzen, lehnte aber jede ärztliche Hilfeleistung ab. Sie litt und betete drei Jahre lang. 1560 reifte in ihr der Plan , zusammen mit anderen Schwestern, ähnlich dem der Klarissinnen, einen eigenen Orden zu gründen. Ihre anfänglichen Bedenken wurden durch eine Christusvision zerstreut. Trotz Widerstand bei dem männlichen Teil des Ordens, ließ sie sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen. Unterstützung erhielt sie von dem jungen spanischen Mystiker Johannes vom Kreuz. 1562 konnte sie mit ihren Anhängerinnen in das verlassene Josefskloster einziehen und nach ihrer Ordensregel der unbeschuhten Karmeliterinnen leben.

Doch ihr Reformwille und ihr emanzipatorisches Vorgehen wurde weiterhin mit Argwohn verfolgt.

Verdächtig erschien es, dass Teresa das innere Gebet in der Stille propagierte, ohne behördlich abgesegnete Textvorlagen. Sie orientierte sich an der Bibel, war also eine Bibel lesende Nonne. Der Großinquisitor de Valdes hatte aber 1559 sämtliche geistliche Literatur in der Muttersprache verboten.

Kritik an Teresa wurde auch laut wegen ihrer Kontakte zu "schwärmerischen Mönchen", u.a. Johannes vom Kreuz. Mit ihm zusammen reformierte sie den Männerorden der Karmeliter. Sie ermutigte ihn immer wieder wie eine mütterliche Freundin. Eine tiefe Freundschaft verband sie auch mit dem ersten Provinzial der unbeschuhten Karmeliter, Jerònimo Graciàn, mit dem sie einen regen Briefwechsel unterhielt. Damit zeigte Teresa ein beachtlich emanzipatorisches Selbstverständnis mitten in der frauenfeindlichen Tradition im Spanien des 16. Jahrhunderts. Den Männern hielt sie deren Ungerechtigkeit den Frauen gegenüber vor, den Frauen ihre Ängstlichkeit und Unentschlossenheit gegenüber den Männern. Sie war der Überzeugung, dass der Herr viel häufiger den Frauen als den Männern seine Gnade mitteilt. So schrieb sie mitten in der Zeit der Ketzerverfolgung: "Die Welt irrt, wenn sie von uns verlangt, dass wir nicht öffentlich für dich wirken dürfen, noch Wahrheiten aussprechen, um deretwillen wir im geheimen weinen, und dass du, Herr, unsere gerechten Bitten nicht erhören würdest. Ich glaube das nicht Herr, denn ich kenne deine Güte und Gerechtigkeit. Du bist ja kein Richter wie die Richter dieser Welt, die Kinder Adams, kurz: nicht wie Männer, die meinen, jede gute Fähigkeit bei einer Frau verdächtigen zu müssen. Ich werfe unserer Zeit vor, dass sie starke und zu allem Guten begabte Geister zurück stößt, nur weil es sich um Frauen handelt."

Und sie erklärte weiter: "Es ist etwas Großes um die Sicherheit des Gewissens und um die Freiheit des Geistes." Kleinliche Maßnahmen konnten Teresas Selbstbewusstsein nicht erschüttern. Sie wusste was der kluge Kopf wert ist, den ihr Gott gegeben hat: "Es ist kein kleines Kreuz, wenn man seinen Verstand jemandem unterordnen muss, der keinen hat", bekennt sie. "Ich habe das nie gekonnt und ich glaube auch nicht, dass es richtig wäre."

Am 27. September 1970 erhob Paul VI. Teresa von Avila und Caterina von Siena als erste Frauen der Geschichte zu Kirchenlehrerinnen. Nachfolgend wurde Teresa, zusammen mit 230 Gelehrten aus achtzehn Ländern die dreifache Ehrendoktorwürde verliehen.

Papst Paul VI: "Die Zeit ist gekommen, in der sich die Berufung der Frau in vollem Umfang verwirklicht. Die vom Geist des Evangeliums erfüllten Frauen können der Menschheit helfen, nicht unmenschlich zu sein."

Der große Theologe Karl Rahner meldete behutsam Skepsis an: "Man müsse schon fragen dürfen, ob diese Ehrung "nur eine schöne Geste" sei und letztlich davon dispensieren solle, den heute lebenden Frauen in der Kirche jene Aufgaben und Rechte zu geben, die ihnen gebühren und die sie noch lange nicht in angemessenem Umfang und wirklicher Selbstverständlichkeit besäßen".

Historischer Hintergrund
Im 16. Jahrhundert hat im europäischen Kernland längst die Renaissance Einzug gehalten. Nicht so in Spanien. Dort lebten verschiedene Kulturen und Religionen friedlich zusammen. Durch den Sieg Spaniens über Portugal kam es zu höchster Machtentfaltung der Kirche, unterstützt durch Ferdinand V. (1474 - 1516) und Isabella I. (1474 - 1504). Islam und Judentum wurden verdrängt bzw. Mauren und Juden und andere politischen Minderheiten wurden aus dem Land vertrieben. Damit ging die bisherige Kultursynthese zu Ende. Die spanische Inquisition erzwang für alle Andersgläubigen die einheitliche christliche Lehre.

Text:Mathilde Block 2004


 Quellen und Literatur

Meyer, Ursula I: Die Welt der Philosophin, Antike und Mittelalter, Aachen 1995
Feldmann, Christian: Gottes sanfte Rebellen, Freiburg 1984
Lissner/Süssmuth/Walter: Frauenlexikon 1991
Löffler, Irene: Meine Nacht möchte Flügel haben, München 2001

Bild Quelle: www.wikipedia.de

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