Die Macht der Frauen in Frankreich im Mittelalter

 Geschichtlicher Hintergrund

Die Historiker haben Forschungen angestellt über den langen Zeitraum von 500 bis 1500, der etwa zwei Zeitalter umfasst. Sie hatten keine allzu großen Schwierigkeiten Manuskripte zu finden - außer von Frauen. Ihre Meinungen gehen manchmal auseinander hinsichtlich der Auslegung von juristischen, demographischen, wirtschaftlichen, politischen oder soziologischen Studien.
Was trug dazu bei, dass die Mitwirkung der Frauen eingeschränkt war oder wuchs? Zu welchen Zeiten genossen sie Handlungsfreiheit, wann nicht?

Das griechische und römische Erbe
Nahm die Frau im heidnischen Milieu (noch) einen rituellen Status der Unreinheit ein, so tun die "Rechtsaufzeichnungen des Justinian"(Digest) und der "Codex Theodosians" im römischen Recht einen Schritt in Richtung weiblicher Emanzipation im Hinb lick auf die Heirat (freie Wahl, Rechte der Gattin, die nicht auf den Mann übertragbar sind). Scheidung und Sexualität werden hingegen strikt von der Moral bestimmt. Wenn sie dem Herrn gefallen, so haben Frauen untergeordneten Standes keine andere Wahl, als Konkubinen zu werden. Zur Zeit der Kreuzzüge ermöglicht es der Kontakt mit den Weisen des Orients, griechische Texte kennen zu lernen. Sie üben einen großen Einfluss aus vor allem die Werke des Aristoteles über die "Nicomachische Ethik", welche die Beziehung der Ehegatten im Hinblick auf die Moral definiert; seine "Politeia", welche die familiäre Zelle in die Gemeinschaft des Staates einreiht und die verschiedenen Beziehungen analysiert, die an das Familienoberhaupt anknüpfen; die "Ökonomie", welche die Stellung der Frau im Innern des Hauses bestimmt (strenge und eher frauenfeindliche Regeln)

Die germanischen Stämme und die "Barbaren"
Nach dem Bericht des Tacitus (55 -120 v. Chr.) in seiner "Germania" waren die "Frauen hochgeehrt in ihrer Stellung als Ehefrauen und Mütter, die über ein ganzes Netzwerk von familiären Bindungen bestimmten. Sie begleiteten ihre Männer auf das Schlachtfeld, ermutigten sie und versorgten die Verwundeten. Manche wurden als Priesterinnen verehrt. Die Frauen bestellten das Feld, erzogen die Kinder, führten den Haushalt, stellten Stoffe her. Ehebruch wurde streng bestraft. Töchter dagegen wurden angesehen als veräußerbarer Besitz; ihr Schicksal hing vom Vater bzw. von den männlichen Verwandten ab." Die Ostgothen er-obern Rom 546, verbieten die Vergewaltigung. Unter burgundischem Recht werden Vergewaltigung und Raub streng bestraft. Bei den Westgothen besitzen die Frauen weitest-gehende Rechte.

Das Christentum:
Die Kirchenväter beziehen sich auf die Apostel-Akten, neben anderen Quellen: die Frauen werden als geistbegabte Geschöpfe angesehen, die die gleichen Eigenschaften sittlicher Vollkommenheit haben wie die Männer. Der Anti-Sex Wahn dagegen (der z.Teil mit dem Begriff der "Erbsünde" zusammenhängt) - noch verstärkt durch die Furcht vor der "Unreinheit" der Frauen (Erbe der jüdischen Tradition, die besagt, dass die Menstruation die Frau rituell unrein macht) bringen viele Prälaten (Kirchenfürsten) im Laufe der Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte dazu, Gesetze oder Verbote zu diktieren im Hinblick auf Heirat und Betragen, nach denen die Frau entweder als "Engel" (Marienkult) oder als "Dämon" ange-sehen wird. "Engel": Eva ist Evae, das Unglück - aber auch das Leben. "Ave/Eva: Tod durch Eva, Leben durch Maria; "die nicht zugängliche Maria", "die Jungfrauen werden 100-fach die Früchte ihrer Verdienste ernten, die Witwen 60 -fach, die Gattinnen 30-fach", "weil die Frau am Beginn eines so großen Übels steht, muss sie, um wieder hoffen zu lassen, am Anfang einer so großen Wohltat stehen (eines so großen Guten)", "die Jungfrau Maria zu preisen heißt keineswegs Eva zu ehren" und "Maria, Zuflucht des Sünders, Hoffnung der Menschen"...
Dämon: Beschimpfungen: "gefräßige Flamme, äußerste Narrheit, geboren um zu täuschen, Raubvogel, der sich auf die Menschen stürzt, Suhle für fette Schweine, unreine Tigerin, wütende Viper". "Eva, die Verführerin, die Pforte des Teufels, die Wurzel des Übels, Ausbund aller Laster." "Wie können wir diesen Sack (voll) (Vogel)Dreck umarmen."

Die Königinnen und Adligen
Bei der Ankunft Chlodwigs (Clovis) 481, -sein Vorfahre Merowin hat der Dynastie der Merowinger Könige seinen Namen gegeben - des Königs der salischen Franken (das salische Recht ist ein Zivil- und Strafrechtscodex, in welchem ein Artikel die Frauen von der Erbfolge im Grundbesitz ausschließt und der später so interpretiert wurde, dass sie von der französischen Thronfolge ausgeschlossen waren) , überredet Chlothilde, eine Burgunderprinzessin, ihren Ehemann dazu, den wahren Gott anzuerkennen und den Kult der heidnischen Idole aufzugeben.

Zahlreich sind die Königinnen, die Klöster und Kirchen in den Gebieten ihrer Hausmacht gründen. Sie dehnen ihre Macht aus indem sie Bischöfe ernennen lassen, die in ihrer Gunst stehen. Gemäß dem "salischen Recht" konnten die Frauen, auch wenn sie ohne Macht waren, Land erben, das nicht im Besitz ihrer Angehörigen war: der König Chilperic (533 - 566) gestattete seiner Frau, die keine Brüder hatte, Land zu erben.
Im VIII. Jh. führt der Niedergang der Franken zu einer Einschränkung dieser Rechte. Im 1. Viertel des VI. Jh. ließen sich manche fränkischen Bischöfe dazu überreden, weibliche Diakone zu weihen. Helarie, die Tochter von Remi, dem Heiligen Bischof von Reims und Radegunde sind Diakone. Das Konzil von Orleans,, entzieht den Frauen jegliche Funktion innerhalb der Kirche und die Synode von Auxerre, am Ende des VI. Jh. erklärt, dass die Frauen von Natur aus unrein sind, dass sie sich verschleiern müssen und nie etwas Geweihtes berühren dürfen.
751, bei der Krönung von Pipin I., dem ersten Karolinger König, wird auch seine Frau Berthe (die Mutter Karls des Großen) gekrönt (gesalbt). Beim Tode ihres Mannes übernimmt sie politische Verantwortung. Das Recht auf Besitz wird, innerhalb der Familie, den Frauen zugestanden insofern kein männlicher Erbe vorhanden ist

Unter der Herrschaft Karls des Großen (747-814)ö, beschäftigte sich seine Gattin mit Aufgaben im königl. Haushalt und mit dem Dienst für den König. In der Schrift "De Villis", die die ausschließlichen Machtbefugnisse der Königin behandelt, beschließt der Kaiser die Gründungen von Schulen in den Klöstern, um allen Unterricht zu geben, "die mit der Hilfe Gottes fähig sind zu lernen". Er selbst gibt ein Beispiel, indem er die Pfalzschule gründet für seine eigenen Kinder und die seiner Nebenfrauen. Manche adelige Frauen oder Nonnen erhalten eine sehr weitreichende Ausbildung. Dieser Kaiser hatte, wohlgemerkt, wie seine königlichen Vorgänger oder auch einige Nachfolger, mehrere Frauen und Nebenfrauen, was die Kirche immer missbilligt hat ohne ihn (jedoch) zu tadeln, da die hohen Würdenträger auch die Prostitution als eine soziale Erscheinung dieser unserer Welt anerkannten. Es ist nicht selten so, dass sie selbst Konkubinen haben. Wiederholt untersagen Synoden den Geistlichen mit Frauen zu leben, mit dem Ziel, aus dem Klerus eine Vereinigung von Unverheirateten zu machen.

870 gestattet das Kapitular von Quierzy die Erbaufteilung zwischen Brüdern und Schwestern. Wenn der König abwesend ist, hat die Königin die Aufgabe die Herrschaft zu verwalten. Im Adel haben die Frauen das Recht im politischen Bereich tätig zu werden. (Aber)Außer bei der Abwesenheit des Mannes, zählt die Frau kaum in der gewalttätigen, aggressiven, durch und durch mannhaften Welt der Schlösser, ihr Schicksal ist gebunden an den Landbesitz, der einzigen Garantie für Macht.
Das Land (? die Frau? elle !) ist ein Geldpfand für die Herren, die ihre Güter vergrößern und eine Nachkommenschaft sichern wollen. Die Töchter werden von Geburt an Männern versprochen, die oft wesentlich älter sind als sie. Vom zartesten Alter an verlassen sie die mütterliche Umgebung.
Im IX. Jh. dienen die Klöster mehr und mehr dazu, Frauen die unerwünscht , gefährlich für die Gesellschaft oder einfach "unproduktiv" sind zu isolieren. Vorrangig vor der "Heiligkeit" ist Reichtum das Hauptkriterium für die Eintrittserlaubnis.
Von der Mitte des 10. Jh. bis zur Mitte des 12. Jh. kann eine unverheiratete Frau Verträge unterzeichnen und im eigenen Namen handeln (die Siegel stellten das Recht für gesetzlich verfügbares Eigentum dar). Nördlich der Loire benutzen die Frauen aus dem Adel häufig Siegel, diejenigen aus niederem Adel jedoch noch häufiger in eigener Sache. Die sind also unabhängiger.
Eleonore von Aquitanien z.B., die Gattin von Louis VII, dem König von Frankreich, später von Heinrich II, dem König von England, ist eine Frau, deren Macht sich auf die Kirche und auf die Politik auswirkte.

Vom 13. bis zum 14. Jh., bestimmt und kontrolliert die Gesellschaft in beträchtlichem Maße die Macht der Frauen - abgesehen bei starken Frauen aus dem Adel, die ihre Befehle durchsetzen. Bei der Heirat z.B. muß die Ehefrau das Joch ihres Herrn und Meisters auf sich nehmen, der ihre religiösen Gewohnheiten und ihre Lebensweise kontrolliert. Hier ist anzumerken, dass eine Ehe im Durchschnitt ca. 15 Jahre dauerte wegen der hohen Sterblich-keitsziffer der Frauen im Alter von 30, die teilweise auf die Gefahren während der Schwangerschaft und der Geburt zurückzuführen sind. (Bei den unteren Schichten der Gesellschaft in den Städten und auf dem Land waren diese Kontrollen weit weniger genau).

In Abwesenheit ihrer Ehemänner waren die verheirateten Frauen das Oberhaupt in der Familie und im Hause. Grundeigentümerinnen, Schlossherrinnen, Kircheneigentümerinnen. Sie konnten an weltlichen und kirchlichen Versammlungen teilnehmen, ihre Macht im militärischen Befehlsbereich ausüben, in juristischen und anderen Bereichen, denn es gab nichts, was sie daran hätte hindern können.
Die Witwen behalten ihre Macht bis zur Volljährigkeit ihrer Söhne. Wenn sie in ihren Rechten bedroht werden, flüchten sie sich in die Klöster. Ebenso machen es die jungen Mädchen, die sich gegen eine Heirat sträuben, die gegen ihren Willen arrangiert wurde.

Die Äbtissinnen:
Die Klöster, die von den angelsächsischen Nonnen gegründet werden gehören zu den ersten Gemeinschaften.
Die Abtei von Fontevrault, 1101 gegründet von dem Eremiten Robert d'Arbrissel für seine männlichen und weiblichen Schüler, weist die Besonderheit auf, dass sie einer Äbtissin unter-stellt ist.
Die Entstehung des Faubourg St. Antoine in Paris und seiner Zünfte: Unter Louis XI, schützt Jeanne IV, die Äbtin von St. Antoine des Champs ihre Arbeiter über die sie die niedere und hohe Gerichtsbarkeit hat. So standen letztere nicht mehr unter der Aufsicht der Pariser Geschworenen (die gewählt oder ausgelost wurden und die Aufgabe hatten, über die Einhaltung der Vorschriften bei der Produktion und beim Verkauf zu wachen, die das Konkurrenzverhalten kontrollieren mussten und bei beruflichen Streitfällen ein Urteil fällen mussten: es waren sehr einengende und strenge Regeln). Der König unterzeichnet eine Verordnung, die den Handwerkern das Recht zuerkennt, unter der Kontrolle der Äbtissin frei ihren Beruf auszuüben.

Die Unverheirateten:
Alleinstehende Frauen ohne Unterstützung finden sich sehr schnell an der Armutsgrenze. Die ledigen Mütter oder die unglücklichen Witwen, die Kinder zu ernähren hatten, zögern nicht, zu betteln oder zu stehlen. Viele von ihnen landen in der Prostitution und werden zur Einnahmequelle von Bordell- und Freudenhausbesitzern. Ihre Zahl steigt in Frankreich im Laufe des 100jährigen Krieges.
Die Gesellschaft und alle Päpste der Christenheit, die sich der Pflicht bewusst waren, dieser Situation Abhilfe zu schaffen, schufen Institutionen für die reuigen Töchter, wie z.B. den Orden der Maria Magdalena, der im 13. Jh. gegründet wurde.
Die Klöster, die alleinstehenden Frauen aus dem Adel Zuflucht boten, öffnen sich auch den anderen sozialen Schichten und bringen eine beträchtliche Zahl von Frauenklöstern bei den Zisterziensern, den Dominikanern und Franziskanern. Die erste Gründung ist ein Haus der Dominikaner im Südwesten Frankreichs: das Kloster von Prouille.
In den Klöstern lernen die Frauen lesen und singen, sie schreiben Manuskripte ab und schmücken sie mit Buchmalerei, sie spinnen, weben und sticken die Motive, die sie entworfen haben.
Gemeinschaften von "Beguinen" finden sich in ganz Europa. Sie bieten den einfachsten Schichten Unterkunft, Erziehung, Arbeit, besonders in der Textilfertigung und in den Krankenhäusern als Pflegepersonal. Gemäß den Statuten der Beguinen von Straßburg werden nur Frauen mit guten Sitten sowie Jungfrauen angenommen. Nach zwei Monaten und wenn dieses Leben ihnen zusagt, nehmen sie den grauen Habit, leisten ihr Keuschheitsgelübde und müssen sich den strengen Regeln der Gemeinschaft unterwerfen.

Die Bedingungen weiblicher Arbeit

Unsere Kenntnisse stammen vor allem aus den Untersuchungen amerikanischer und deutscher HistorikerInnen über Mittel- und Westeuropa. Der Mittelmeerraum ist noch wenig erforscht. Eine zunehmende Spezialisierung der Arbeit galt für Männer und Frauen. Sie betraf das verheiratete Paar, das zusammen arbeitete und alle Formen bezahlter Arbeit, die davon abhingen. Innerhalb des Familienunternehmens bildete sich der Kern der neuen selbständigen, handwerklichen, kaufmännischen oder bäuerlichen Wirtschaftsorganisation heraus. Es ging darum, ein möglichst hohes Familieneinkommen zu erwirtschaften. Letzteres reichte in den Mittel- und Unterschichten kaum aus. Neben ihren Aufgaben im Haus stellten die Frauen Textilien und Lebensmittel her , die zum Verkauf bestimmt waren. Am Ende des Mittelalters führte eine wachsende Feindseligkeit zum Ausschluss der Frauen aus dem Berufsleben: entsprechend der bürgerlichen Ideologie sollten sich die Frau ihren Kindern und ihrem Mann widmen.
Die weibliche Berufstätigkeit nahm ab, jedoch ließ die wirtschaftlichen Notwendigkeit den Frauen noch zahlreiche Tätigkeitsbereiche.

Die Bürgerinnen
Das Bürgertum hat seinen Ursprung in der Wiederbelebung des Handels, in der Ausdehnung der Städte. Es ist das Zeitalter der Kreuzzüge, des Bevölkerungswachstums, des Urbarmachens des Landes. Dreihundert Jahre lang, vom Ende des 10. bis zum Ende des 12. Jahrhunderts belebten wandernde Händler und regelmäßig stattfindende Jahrmärkte die Städte. Viele Städte waren der Schauplatz sozialer Kämpfe: es entstand eine Kluft zwischen Arm und Reich. Seit dieser Zeit bedeutet Bürgertum einen gewissen Wohlstand und den Besitz von Rechten und Eigentum auf dem Gebiet der Städte. Streit im Handel führte zur Wiederentdeckung des römischen Rechts. Viele Geschworene wurden Ratsherren (wie Nogaret, der Ratgeber Philipps des Schönen).
Vom Ende des 13. Jahrhunderts bis zum Ende des 14. Jahrhunderts verbreiteten Katastrophen und Konflikte Angst und Schrecken. - die schwarze Pest und der Hundertjährige Krieg, der das Land verwüstete. Wirtschaftskrisen, religiöser Wahn, Infragestellen der kulturellen Werte, Bauernaufstände und Unruhen in den Städten zeigten die Macht des reichen Bürgertums.

Der Handel
In den Städten betrieben zahlreiche Frauen Kleinhandel mit Waren, die sie selbst herstellten, kauften und wiederverkauften. Sie waren Händlerinnen und Ladenbesitzerinnen. Frauen waren auch im eigentlichen Handel vertreten. Sie waren in Zünften oder Korporationen innerhalb des Handwerks organisiert und konnten große Vermögen vererben.

Das Handwerk
Es gab selbständige oder angestellte Frauen in allen Tätigkeitsfeldern, die nicht von den Zünften reglementiert waren. Neben den Textil- oder Nahrungsmittel verarbeitenden Berufe, fand man Frauen auch in männlichen Berufen wie der Metallverarbeitung und dem Bauwesen, wo weibliche Tagelöhner sehr viel billiger waren.

Die Erziehung
Paris verfügte am Ende des 13. Jahrhunderts über die beachtliche Zahl von 21 Lehrerinnen, die Elementarschulen für junge Mädchen leiteten. Die Kinder der höheren Stände erhielten ihre Ausbildung durch Hauslehrer im Haus ihrer Eltern.

Die Medizin
Die Frauen nahmen auch in der Medizin und besonders der Frauenheilkunde einen wichtigen Platz ein. (Da es den Männern verboten war, eine weibliche Person zu untersuchen, war die Geburtshilfe den Frauen vorbehalten.) Hebammen hatten Privilegien, konnten vereidigt werden und von der Verwaltung der großen Städte ein Gehalt bekommen. Es ist unbekannt, wie viele Heilerinnen und Barbierinnen es gab.

Das geistige Leben
Im 10.Jahrhundert korrespondierten die Schwester und die Tochter Karls des Großen mit Alkuin (einem angelsächsischen Kleriker, der von Karl dem Großen mit der Leitung der Domschule in Aachenbeauftragt war). Dieser bat sie, seinen Kommentar zum Johannes-Evangelium und andere religiöse Schriften zu kritisieren.
Seit dem 13. Jahrhundert gibt es zahlreichere und besser erhaltene Quellen. Frauen aus den wohlhabenden Kreisen nahmen am geistlichen und intellektuellen Leben teil und drückten dem mittelalterlichen Leben ihren Stempel auf.
Marie de France, eine französische Dichterin in England, schrie Lais (erzählende Gedichte) und romantische Gedichte , die auf Legenden beruhten,
Christine de Pizan, eine französisch-italienische Autorin und frühe Feministin, wandte sich in der Cité des Dames gegen die frauenfeindliche Kultur und stellte dieser die Verteidigung der Ehre des weiblichen Geschlechts entgegen.
In Toulouse durften Frauen an einem literarischen Wettbewerb teilnehmen, der 1323 eingerichtet wurde und dessen Aufgabe es war , die "heitere Wissenschaft" zu fördern. Er ist unter dem Namen "Jeux Floraux (Blumenspiele) bekannt. Der Sieger erhielt als Ehrenzeichen ein goldenes Veilchen und den Titel "Meister" oder "Meisterin. Seit 1513 feiert die Akademie der "Jeux Floraux de Toulouse" jedes Jahr Clémence Isaure, ihre angebliche Gründerin.(Ihre Existenz wird jedoch von mehreren Historikern bezweifelt.)

Die "Gesandten Gottes"
Die Begeisterung für die unio mystica (mystische Vereinigung) belebte das religiöse Leben. Nie wurden so viele Frauen heilig gesprochen wie zwischen 1250 und 1300 Im Laufe des 14./15.Jahrhunderts trieb religiöse Unruhe kleine Gruppen von Männern und Frauen dazu, traditionelle Formen der Frömmigkeit aufzugeben und sich blasphemischen Praktiken und antiklerikalen Ideen zuzuwenden. Sie zogen durch das ganze Land und fanden Anhänger.

Am Ende des Mittelalters kündigte sich das Ende des weiblichen Ruhms und der weiblichen Frömmigkeit an. Die Kenntnis der Bibel und die theologische Reformation fingen an mehr zu zählen als göttliche Inspiration. Die ekstatischen Verzückungen der Mystikerinnen wurden zu den nächtlichen Ritten der Hexen. Gewisse Frauen empfanden sich als "Gesandte Gottes" wie Jeanne d'Arc, als Beispiel für eine Kriegerin. Aber andere bezeichneten sich als Gesandte des Teufels. Besonders im Süden fanden Hexensabbatte statt (Der Historiker Roger Gensac zählt in diesem Zusammenhang 39 Orte im Gers auf). Viele Frauen waren nicht damit zufrieden, einen Hexenzauber zu machen. Sie kannten medizinische Kräuter und pflegten die Kranken, was erklärt, dass sie auf dem Land so lange erfolgreich waren. Man erklärte sie zu Ketzerinnen und so kam es zur Hexenjagd und zur Verfolgung durch die Kirchenfürsten.

Die Bäuerinnen

Die meisten Frauen arbeiteten in der Landwirtschaft, wobei es wenig bezahlte Arbeit gab. Karl der Große erkannte die entscheidende Rolle der Bäuerinnen. Er ordnete an, dass die Räume, wo die Frauen arbeiteten mit Holz getäfelt, dass sie eine feste Tür haben sollten, dass sie mit Öfen geheizt und mit Kellern ausgestattet sein sollten. Dort konnten sie die Dinge, die sie herstellten aufbewahren.
Die Intensivierung des Getreideanbaus, der "industriellen Pflanzen" wie Flachs, Färberröte, Hanf, die für die städtische Textilproduktion notwendig waren, der Weinbau (in dem Männer und Frauen den gleichen Lohn erhielten) und die Viehzucht erforderten Saisonarbeiter, die frei verfügbar waren.

In der Bauernfamilie, die ihr Land besaß, bemühten sich die Frauen, das Einkommen zu erhöhen, indem sie Butter herstellten und Milch, Käse. Eier, Kleinvieh und Obst, Gemüse, Beeren und manchmal Wäsche, Seife und Senf verkauften.

Die höfische Liebe oder "La fine Amor"
Die eheliche Liebe wurde als unwichtig betrachtet. Wichtig waren nur Zusammenschluss der Vermögen und Fortpflanzung. Wenn die Frauen der arrangierten Ehe entkommen wollten , konnten sie nur ins Kloster gehen. Was außereheliche Beziehungen betraf, so genossen Geistliche und Priester ganz besondere Gunst: die Biographien der verheirateten Frauen sind voll von lüsternen Priestern, die unter dem ehrbaren Vorwand, die weibliche Seele zu retten mit List zunächst das Vertrauen ihres "Schäfchens" und später ihre Liebesgunst errangen. Im 12. Jahrhundert entsteht eine neues Modell der Beziehung zwischen Männern und Frauen, das als "Fine Amor" bekannt ist. Spuren davon finden sich in Liedern und Gedichten. Es scheint, dass die ältesten Texte das Werk von Guillaume von Poitiers , dem Herzog von Aquitanien stammen. (Seine Tochter Aliénor von Aquitanien umgab sich später an ihrem Hof mit Troubadouren). Gedichte in Okzitanisch spielen hier eine besondere Rolle. Sie wurden im Süden von den "troubadours" und im Norden von den "trouvères" gesungen. Diese Gedichte, die zur Unterhaltung der Höflinge entstanden, hatten einen ständig wachsenden Erfolg an den Fürstenhöfen der Normandie, der Touraine, der Champagne und in Flandern.
Sie beeinflussten Romane wie Le roman de la Rose oder die Arthus -Romane. Auch Dante war davon fasziniert.

Der Historiker Georges Duby definiert die höfische Liebe folgendermaßen: es gibt eine verheiratete Dame (aus Lateinisch domina - Herrscherin), in die sich ein junger Mann in ihrer Umgebung unsterblich verliebt. Er benutzt eine List, um sie zu verführen. Ein gefährliches Spiel beginnt zwischen den beiden - um die Ehre der Dame und die ihres Mannes. Der junge Mann muss sich geduldig erweisen, er muss seinen Körper beherrschen. Die Dame ist fern, unzugänglich, umgeben vom Mystizismus. Diese Traumliebe gewährt der Frau eine gewisse Macht. Die Zeremonie des "assag" (des Versuchs) ermöglicht es der Dame zu prüfen, wie weit ihr Freund sie respektieren kann, während er in einer Situation der äußersten Versuchung neben ihr liegt,. Die Liebe wird eine Kunst, eine Verzückung der Seele und ein köstliches Leid.


Georges Duby folgert daraus, dass dieses kulturelle Modell, das in aristokratischem Kreisen entstanden ist, sich in alle sozialen Schichten verbreitete. Auf diese Weise nahmen die Beziehungen zwischen Männern und Frauen in der Gesellschaft des Abendlandes eine eigentümliche Wendung.
Es verfeinerte das männliche Verhalten und die Ehepolitik der Familien. Diese Praktiken, die aus der höfischen Liebe stammen, unterscheiden unsere Kultur am stärksten von anderen.



Annette Lafoucade

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